Der Grundsatz, dass die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen ein Verschulden des Schädigers voraussetzt, gilt im Nachbarrecht so nicht. Erleidet ein Haus- oder Wohnungseigentümer Schäden, die von dem Nachbargrundstück oder der benachbarten Eigentumswohnung herrühren, kann er von dem Eigentümer Schadensersatz verlangen, auch wenn diesen kein Verschulden trifft. Beispielhaft hierzu ist die kaputte Waschmaschine, die die darunter liegende Wohnung flutet oder Schäden an Elektrogeräten wegen eines Kurzschlusses in der Nachbarwohnung verursacht.

Nach einer neuen höchstrichterlichen Entscheidung haftet der Nachbar auch dann, wenn er einen Handwerker beauftragt und dieser durch seine Arbeiten Schäden am Nachbargrundstück bzw. an der Wohnung des benachbarten Wohnungseigentümers verursacht. Bisher war der Eigentümer auf der sicheren Seite, wenn er die gefahrgeneigte Handlung in professionelle Hände gegeben hat. In der erwähnten Entscheidung wurden Schweißarbeiten durchgeführt, in deren Folge das Nachbarhaus völlig niederbrannte. Der BGH verpflichtete die Hauseigentümer, die die Schweißarbeiten in Auftrag gaben zum Ersatz des Feuerschadens, weil der Handwerker mittlerweile insolvent war.

Konsequenzen für die Praxis

Die Entscheidung überrascht. Denn neben der Haftung des Handwerkers bestand eine parallele Haftung des Nachbarn nur dann, wenn dieser den Handwerker nicht sorgfältig ausgewählt hat, er also z. B. bewusst einen Ungelernten mit Arbeiten an der Stromleitung beauftragt.  Der BGH ist jedoch der Ansicht, es reiche aus, wenn sich die zum Schaden führende Handlung dem Einflussbereich des Grundstücks- oder Wohnungseigentümers zurechnen lässt. Dieser habe die Handwerksarbeiten veranlasst und diese kamen ihm schließlich auch zugute. Man darf sich also nicht mehr sicher sein, von einer Haftung verschont zu bleiben, obwohl man sich durch die Beauftragung von Spezialisten in sicherer Sphäre zu bewegen scheint.

Die Entscheidung finden Sie unter BGH, Urt. v. 9.2.2018. Az.: V ZR 311 / 16.

Rechtsanwalt

Marius Springer